Kurvendiskussion oder die Frage: Was zur Hölle ist Plus-Size?

Wie jede durchschnittliche Frau besitze ich einen Kleiderschrank. Einen großen. So maximale Wandausnutzungs-Größe. Wie bei jeder durchschnittlichen Frau ist dieser gut gefüllt mit den verschiedensten Stücken in unterschiedlichen Farben, Modestilen und Größen. Und wie jede durchschnittliche Frau würde ich jeden Morgen ohne mit der Wimper zu zucken im Brustton der Überzeugung behaupten: Ich kann nicht gehen, ich habe nichts zum Anziehen.

Jetzt ist das kein neues Thema. Neuer ist allerdings, dass sich die Kleidungsindustrie (und ich sage hier bewusst nicht Modeindustrie) besonnen hat und beschlossen hat, man möchte nun doch eventuell auch den etwas wohlgenährteren Teil der weiblichen Bevölkerung einkleiden. Und schwupps entsteht die Idee der Plus-Size Mode. Wobei „Mode“ ja immer im Auge des Betrachters zu verstehen ist. Sagen wir mal, der Textilindustrie ist mit Blick ins Ausland aufgefalllen, dass es durchaus einen Markt für Kleidung in großen Größen gibt, wo nicht in fliessenden Gewändern bis aufs kontourloseste verhüllt werden wollen. Diese Woche wollen wir uns also mit Plus-Size beschäftigen. Heute mal meine Perspektive und am Mittwoch äussert sich der Bunsi.

So schön so gut, ich freue mich für all die Damen, die jetzt endlich die Möglichkeit der freien Kleidungswahl haben (im Rahmen der bisher begrenzten Anbietermöglichkeiten natürlich). Wirklich! Nach Sichtung verschiedener Online-Plus-Size Shops frage ich mich allerdings Folgendes:

  • Wann bin ich denn nun Plus-Size?
  • Gibt es dickere Frauen nur in A-Form?

Mir würden sicherlich noch mehr Fragen einfallen, das sind allerdings die beiden, die mich schon eine Weile beschäftigen. Ich gehe also mal chronologisch aus meiner Perspektive als kleine fette Ratt vor: Ich empfinde mich nicht als Walross, bin aber bei einer Kleidergröße von 44 (ja ich traue mich es laut zu sagen) durchaus laut Zahlen in der Plus-Size Zielgruppe angesiedelt. Würde ich dort einkaufen? Vermutlich nicht. Warum? Ich sehe nicht so aus wie diese Models! Und zwar in keinster Weise. Jetzt mag das an Selbtswahrnehmung und Co (die ist ja immer ein wenig anders) liegen, aber wenn ich mich nicht mit den mir gezeigten Modellen identifizieren kann, dann kann ich mir auch nicht vorstellen, wie dieses Cape/Palietten-Teil/Rentier-Pullover an mir aussehen wird, und dann werde ich es auch nicht bestellen. Ganz leicht.

Der Grund dafür liegt einerseits nun also im Körperumfang der so wundervoll hergerichteten Damen, andererseits – und das ist eigentlich der Grund, der mich regelmäßig ziemlich pinzig macht – wer hat denn bitte entschieden, dass füllige Frauen immer ein wunderbare Taillie und einfach nur einen dickeren Hintern haben müssen?! Kann mir mal einer sagen, warum man nur dick und gutaussehend sein darf wenn man „weibliche Formen“ hat? Was ist mit den ganzen anderen weiblichen Körperformen?

Ich zum Beispiel bin sehr gerade, habe das schwäbische Alpenvorland und eher weniger Hintern. Sprich ich wäre eher eine Litfasssäule als eine Sanduhr. Wo ist denn nun die Plus-Size Mode für diese Form von dick? Oder ist Plus-Size hier einfach noch nicht angekommen und wir tragen dann weiterhin einfach einen Sack und schnüren eine Kordel um die Hüfte. Schafft ja dann auch die Illusion einer Taillie. Oder wird man automatisch zur Sanduhr-Figur wenn man auf der Waage das „richtige“ dick erreicht hat? Dann bin ich wohl einfach noch nicht dick genug für Plus Size?

Natürlich geht es bei Plus-Size nicht darum es jedem recht zu machen, sondern man sollte ja froh sein, dass es jetzt Mode in großen Größen zum erschwinglichen Preis gibt. Auch wenn ich mir bei manchen Stücken wirklich denke, muss ich ein Fashion Blogger sein um diese Teile tragen zu wollen? Generell stellt sich mir aber die Frage: Ist gerade wenn man keine Ideal-Maße hat nicht Sitz und Form der Kleidung das A und O für ein gutaussehende Ergebnis? Und ist Sitz und Form nicht bei Frauenfiguren, die einmal durch das komplette Alphabet oder eben den Obstkorb gehen, nicht immer ein bisschen anders?

Liebe Plus-Size Fashion Macher, vielleicht wäre es möglich beim nächsten Casting für die neue Kollektion auch mal ein wenig über den Rand des Birnen-Korbs hinausschauen?

Herzliche Grüße, der Apfel.

PS: Was ist eigentlich mit Männermode in dem Segment?

Ein Gedanke zu “Kurvendiskussion oder die Frage: Was zur Hölle ist Plus-Size?

  1. Hihi, Größe 44 – das ist aber auch eine Übergröße, das du sich damit überhaupt noch in ein Geschäft traust (Ironie an/aus). Bei einigen Plus-Size Shops fängt es schon bei 42 an und – ganz ehrlich – ich finde weder 42 oder 44 oder 46/48 groß. Liegt halt alles im Auge des Betrachters. Und wie du schon geschrieben hast, wenn es schön aussieht, ist es doch egal, um welche Größe es sich handelt. Davon wird ein Mensch nicht besser oder schlechter. Das wird aber glaube ich jedenfalls ein Bereich sein, der nie jede Frau zufrieden stellt. LG, britti

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