Kevin allein zu Haus

Mit dem Essen ist es in den letzten Jahren ein bisschen so geworden, wie mit Eltern und ihren „hochbegabten“ Kindern. „Der Torben-Hendrik kann Geige spielen und konnte mit 3 schon die Mitternachtsformel berechnen…und was kann dein Kevin?“

superKevin kann nichts – natürlich. Im Obst- und Gemüsebereich wäre Kevin wohl eine Kartoffel, ein Lebensmittel ohne nennenswerte Funktion, lediglich zum sattmachen – wie langweilig. Torben-Hendrik dagegen wäre wohl eine Goji Beere – ein Superfood halt. Superfoods machen schöner, schlanker, jünger, gesünder. Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel schreibt zum Thema Superfoods: „[…] und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.“

Anders ausgedrückt: Glaube versetzt Berge.

Trotzdem, irgendwas ist an dem Trend schon dran. Zumindest bei mir funktioniert die versteckte Werbebotschaft und ich schleiche seit Tagen um eine Packung Chia Samen herum. Sind wir mal ehrlich, Chia Samen können auch nicht mehr als der gute alte Leinsamen, aber der ist eben nicht mehr en vogue (sieht aber gequollen in einer Müslischüssel mindestens genauso sehr nach Froschlaich aus, wie der hippe Chia Samen – Mahlzeit!).

In Asien gehören Algen schon jeher zum Speiseplan, in Deutschland sorgt die Spirulina Alge in gemahlener oder gepresster Form für eine Revolution. Avocados sind plötzlich keine in Schale verpackte Butter mehr, sondern die antioxidative Antwort auf den Angriff aus dem Weltall (freie Radikale). Superfoods to the rescue!

Und während wir Camu Camu Beeren aus Brasilien importieren und Weizengras in Smoothies mixen bleibt der kleine Kevin auf der Strecke. Kann denn nicht auch eine Birne vom Bauern um die Ecke Superkräfte haben? Die ist frisch, die muss nicht von Brasilien nach Deutschland fliegen, die hat auch ausgefallene Namen (Forelle, Stuttgarter Geißhirtle, Gräfin von Paris,…).

Früher musste Essen nichts weiter können, als sattmachen. Eventuell noch schmecken. Heute muss es glutenfrei/vegan/detox/entwässernd/vitalisierend/entschlackend/trendy/exotisch sein. In Amerika werden mittlerweile Bäume gezüchtet, die bis zu 40 unterschiedliche Früchte tragen können. Ist das noch gesund, oder kann das weg?

Früher oder später werde auch sicherlich ich einknicken und die völlig überteuerte Packung Chia Samen in meinen Einkaufswagen legen. Ich nenne das, das „Fifty Shades of Grey“ Syndrom – man will schließlich mitreden können.

Wie steht ihr zum Thema Superfood und gibt es ein Rezept für Chia Samen, dass nicht an ungeborene Amphibien erinnert? Für Anregungen bin ich wie immer dankbar!

3 Gedanken zu “Kevin allein zu Haus

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Diese Superfoods sind gerade überall und ich komme mir schon völlig uncool vor, wenn man einfach mal Salzkartoffeln mit Butter zu Mittag isst. Das Problem ist, dass ich mich diesen Trends auch nicht entziehen kann, schließlich sind die tollen Zutaten ja sooo gesund. Und schlank machen sie auch. Und die vielen leckeren Rezepte in den Reformhausblättchen… die Packung Chiasamen landete schon vor 4 Monaten in meinem Einkaufskorb (für 7€ pro 300g!!!) und jetzt stehen sie ungeöffnet in meiner Speisekammer. Vorwurfsvoll. Weil ich bisher immer das schnöde Müsli vorgezogen habe. Schon beim Gedanken daran bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Und frage mich, was genau daran jetzt bitte noch super sein soll.
    Liebe Grüße
    Julia

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