Wohnen in der Turnhalle

sportiphantDie erste von 6 Wochen ist vorbei und ich klopfe mir anerkennend auf die eigene Schulter – ich habe tatsächlich jedes Training absolviert (zusätzlich zum außerplanmäßigen Training das ein bevorstehender Umzug so mit sich bringt).  Zwar halte ich mich mit einem ersten Fazit und harten Zahlen noch zurück, dafür ist es nach gerade mal einer Woche einfach noch zu früh, allerdings bin ich von meinem bisherigen Durchhaltewillen schon jetzt grenzenlos begeistert. Immerhin habe ich nicht nur alle geplanten Trainingseinheiten absolviert – man höre und staune – sogar an meinen freien Tagen hat mich das Workout-Fieber gepackt. Und da sind wir auch schon beim Thema.

Als Ex-Zumba-Jünger (oder besser gesagt Teilzeit-at-Home-Zumba-Jünger) machen mir gerade die Dance Workouts am meisten Spaß. Endlich mal ein Training bei dem ich nicht alle fünf Minuten auf den Countdown starre und mich frage, wann diese Höllenqualen endlich ein Ende finden werden. Im Gegenteil, ich hopse fröhlich vor mich hin, versuche so gut es geht die Bewegungen der grazilen Damen im TV nach zu ahmen (manchmal passiert es, dass ich vor die Glastüren der Wohnzimmervitrine hüpfe und mich darin gespiegelt sehe, das sind dann die kurzen Schrecksekunden) und bin am Ende zufrieden mit mir selbst. Bei all dem endorphinbeflügelten Gutelaune-Gehopse stellt sich mir allerdings eine Frage – hat schon mal ein Dance-Workout-Instructor überlegt, dass wir nicht alle in stylischen leeren Fabrikhallen, auf weitläufigen Waldlichtungen oder direkt am Strand hopsen?

Strandbild

Wer hier Sport macht hat kein Platzproblem und zudem noch die bessere Aussicht

Die Werbeagentur Jung von Matt rekonstruiert seit 10 Jahren anhand von Umfragen, Interviews und anderer empirischer Daten das Leben des typischen Deutschen. Dazu gehört natürlich auch die Wohnung. Laut Jung von Matt ist das typisch deutsche Wohnzimmer damit 2,30m hoch und 24 Quadratmeter groß. Diesen doch eher überschaubaren Lebensraum teilen sich eine Schrankwand, eine Couch, ein Glastisch, diverse Grünpflanzen und der Fernseher – ja…und seit neuestem auch ich, meine Yogamatte und der Tanzlehrer. Was ich damit sagen will? Mein Wohnzimmer, auch wenn es vielleicht nicht ganz diesem Stereotyp entspricht, ist kein Tanzstudio. Der Boden ist gefliest und der Abstand zwischen Fernseher und Couchtisch ist gerade so, dass mir dessen Kante nur bei jedem zweiten Mambo-Step in die Kniekehle stößt. Wer hier einen halbwegs glaubwürdigen Pas de Bourree hinlegt, ohne diverse, sich auf dem Couchtisch befindliche Dinge mit in den Abgrund zu reißen – Respekt.

Neben dem Platz- habe ich aber auch ein Bodenproblem. Denn, wie bereits erwähnt, hüpfe ich auf Platte und nicht auf gefedertem Turnhallenboden oder auf Holzterrassen von, für die Produktion von Fitnessvideos, angemieteter südafrikanischer Villen. Wie sich das auf meine Gelenke auswirkt sei mal dahin gestellt, wie sich das auf den unter mir lebenden Nachbarn auswirkt weiß ich mittlerweile. Unsere Hausordnung wurde also in der letzten Woche um einen Punkt ergänzt, direkt unter dem Stichpunkt zum musizieren von Blechblasinstrumenten: kein Dance Workout nach 20 Uhr.

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