Von uneigennützigen Geschenken und Mickey Mouse Tassen

Letzten Freitag hatte meine Mama Geburtstag und eigentlich habe ich meinen Eltern noch nie wirklich was geschenkt, was unter anderem daran liegt, dass die wenigen Geschenke, die ich über die Jahre mit besten Absichten verteilt habe, immer niederschmetternd angenommen wurden. Das einzige Geschenk, dass meine Eltern tatsächlich nicht entsorgt oder in den Keller verbannt haben sind zwei Mickey Mouse Kaffeetassen (damals im Alter von 10+ liebevoll bei Edeka von meinem Taschengeld gekauft) die tatsächlich noch heute bei uns im Geschirrschrank stehen. Ansonsten waren meine Präsente aber nicht immer von Erfolg gekrönt. Mit Anfang zwanzig, habe ich dann endgültig damit aufgehört sinnlos irgendwelchen Plunder ran zu karren – mit Anfang zwanzig braucht man sein Geld ja auch dringend selbst.

Nun mit Ende zwanzig wendet sich das Blatt so langsam wieder. Das Zauberwort an der Geschenkefront heißt nun, da das Kind schon seit einigen Jahren selbständig lebt und nicht mehr auf Mutterns Schoß sitzt nämlich: Quality Time. Und weil ich ein gutes und natürlich vollkommen uneigennütziges Kind bin beschenke ich meine Eltern also seit neuestem mit gemeinsam verbrachter Zeit. Im Fall meiner Mama hieß das vergangenes Wochenende dann Wellness. Immerhin kommen wir aus einer Region des Schwarzwaldes in dem nicht nur das Ballungszentrum der gehobenen Sterneküche beheimatet ist, auch die zugehörigen Top-Hotels locken mit Day Spa oder Verwöhnwochenende. Warum also in die Ferne schweifen?

Copyright: Hotel Sackmann

Verbracht haben wir dann einen herrlich faulen Verwöhntag im Romantik Hotel Sackmann. Zwischen Aromaölmassage und Augenbrauenzupfen haben wir den relativ neu angelegten Wellnessbereich mit Sauna, Pool und Sonnenterasse genossen. Die Frage aber, die hinter all dem steht: sind Geschenke von denen man selber profitiert, immer noch Geschenke? Oder wenn, dann nur Geschenke zweiter Klasse? Wer darf eigentlich alles von einem Geschenk profitieren? Nur der Beschenkte, oder ist es vielleicht doch ok, wenn sich der Schenker gleich mitversorgt? Einige europäische Metropolen hätten beispielsweise bisher auf meinen Besuch verzichten müssen, wenn ich nicht andere mit Aufenthalten in selbigen beglückt hätte. Dreiviertel meiner geschenkten Städtetrips sind also von hinten durch die Brust ins Auge eigentlich Geschenke an mich selber, bin ich deshalb ein schlechter oder gar hinterlistiger Schenker? Eine Frage über die ich nun erst mal bei einer Tasse Kaffee nachdenken werde…aus einer Mickey Mouse Tasse natürlich.

Ein Gedanke zu “Von uneigennützigen Geschenken und Mickey Mouse Tassen

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