Indiana Jones und der Kleiderschrank des Todes

Was haben Indiana Jones, König Artus und Dan Brown’s Romanheld Robert Langdon gemeinsam? Alles fiktive Schönlinge mit zu viel Zeit und Geld? Vermutlich! Aber viel wichtiger, alle drei Herren haben Jahre oder zumindest Wochen ihres Lebens auf der Suche nach dem einen wahren Schatz verbracht. Dabei ist die Suche nach dem Heiligen Gral denkbar einfach – Hallo die Herren, der hängt in meinem Schrank!

Was viele nämlich nicht wussten, der Heilige Gral ist eine Jeanshose – zumindest in meinem Fall. Denn in Wirklichkeit hat jeder oder zumindest jede so einen Schatz irgendwo in ihren Schubladen oder auf einem Kleiderbügel. Dieses eine Kleidungsstück in das man vor unendlichen Äonen mal hineingepasst hat und das man auch jeden Umzug wieder in einen Kleidersack steckt, anstelle es endgültig auf die Reise nach Zentralafrika zu schicken.

Mein Heiliger Gral kam vor einigen Jahren in meinen Besitz, als ich nach einer sinnvollen Belohnung für damalige Abnehmerfolge gesucht habe. Beseelt und scheinbar auch vollkommen verdooft von 10 Kilo weniger wollte ich mir damals beweisen, dass ich, nun endlich zur Elfe geworden, nun in eine Hosengröße kleiner hineinpasse – denn, ja wir erinnern uns, für mich spielen die kleinen Zahlen im Nacken durchaus eine nicht zu unterschätzende Rolle. Mit viel Blut, Schweiß und Tränen und der Fähigkeit Organe zugunsten von eingezogenen Bauchmassen im Körper umzuverteilen habe ich es auch tatsächlich geschafft den obersten Knopf dieses jeansgewordenen Maßbandes zu schließen. Ich glaube ich muss nicht erklären, wie oft ich diese Hose im Anschluss tatsächlich getragen habe. Trotzdem…sie liegt immer noch in meinem Schrank und säuselt in ihrem Sirenenton leise vor sich hin „noch 5 Kilo, dann kannst du es wieder versuchen!“

Neben dem Heiligen Gral gibt es ja auch noch andere Kauf-Blackouts, mein liebstes und selber schon oft zelebriertes ist dabei das sogenannte „Abnehm-Kleid“. Nur eine Kleidergröße fehlt noch zum Glück, leider hat der gut sortierte Textildealer des Vertrauens aber nur noch Kinder oder Elefantengröße, das Mittelstück, nämlich die eigene Größe fehlt natürlich wieder. Klar ist aber auch, ohne dieses Kleid wird man den Laden nicht verlassen – denn offensichtlich hängt das eigene Leben davon ab – und der einfache Weg über die größere Größe ist selbstverständlich keine Option. Was passiert also – man schmeißt das innere Heimkino an und malt sich aus wie gut man in dem Kleid aussehen wird, wenn man erst diese lächerlichen 3-15 Kilo abgenommen hat, damit das Kleid auch wirklich ohne Ohnmachtsanfälle passt. Leider sind die Tage in denen man von burschikosen Zofen in steife Korsette eingeschnürt wurde ja vorbei und auch das beliebte Bauchverdränghöschen ist im Alltag nicht immer praktikabel (das werden alle diejenigen wissen, die schon einmal versucht haben auf einer öffentlichen Toilette das Spandex von Höhe Achsel bis in die Kniekehle zu tanzen).

Was passiert also? Man verlässt den Laden mit einer neuen, bereits beim Zahlen zum Tod auf Raten verurteilten Textilleiche, die fortan ein unwürdiges Leben hinter schwedischen Scharnieren fristen wird. Und warum? Weil das Leben sich mit einer kleinen Lüge manchmal eben einfach besser anfühlt und egal wie viele Schrankleichen die Regale verstopfen, am Ende des Tages haben wir ja doch nie was zum Anziehen!

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