When you say nothing at all…

Nach den Erfahrungen eines der vergangenen Wochenenden, möchte ich nun doch mal eine generelle Sache ansprechen. Hintergrund ist ein größtenteils erfreulicher Besuch bei meiner Familie. Man muss dazu sagen, im heimischen Esszimmer wird meistens sehr deutlich ausgesprochen, was der jeweiligen Person gerade so im Kopf herumgeht. Insbesondere die körperlichen Ausmaße der einzelnen Personen sind immer ein guter Opener für jedes allgemeine Get-together. Egal welcher Anlass, die Anverwandten sind immer für einen kleinen Kommentar – auch gern mit Handgreiflichkeiten kombiniert –  zu haben. Natürlich alles immer mit in Sorgenfalten gelegte Stirn, weil das Deckmäntelchen der Nächstenliebe scheint ja auch Nettigkeiten wie „Also dein Oberteil ist heute auch nicht sehr vorteilhaft um den Bauch“ abzumildern. Oh contraire, wie ich persönlich finde! Auch wenn die Augen sagen, „ich habe Angst um Dein Leben wenn Du weiter so frisst“, sagt der Rest doch ganz deutlich „Mein Gott was bist du doch für eine fette Ratt in eine viel zu enge Wurstpelle gepresst“. Ich würde vermuten es ist deutlich was lauter ist. Wie Kettcar schon so treffend bemerkte „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“.

Der Grund für dieses Eröffnungsritual hat sich mir noch nie ganz erschlossen, wobei ich dieses Verhalten auch noch nie aus tiefenpsychologischen Aspekten beleuchtet habe. Meine Erklärung war bisher ledigliche das Wahrnehmen der Anwesenheit des anderen. Ich kommentiere deinen Umfang also bist du. Auch wenn ich sicherlich keinen bleibenden Schaden von den gut gemeinten Worten der jeweils Anwesenden davon getragen habe, bleibt doch immer ein Beigeschmack.

Nun soll es aber hier nicht um die freundlichen Worte zur Begrüßung gehen, sondern eigentlich um das genaue Gegenteil: Das nicht kommentieren von offensichtlicher Verbesserung an der Ringe-Front!
Es ist ja jetzt nicht das erste Mal, dass ich versuche etwas an Schwungmasse zu verlieren, und wird vermutlich auch nicht das letzte Mal sein. Allerdings wäre es das allererste Mal, dass die schlankere Optik (und bei ca. 6kg weniger kann man durchaus von optischen Veränderungen sprechen) auch nur erwähnt werden würde. Jetzt habe ich sicherlich nicht Blut, Schweiss und Tränen und einen Haufen Ignoranz verschwendet um später von anderen Menschen auf meinen geschrumpften Taillienumfang angesprochen zu werden. So ein bisschen Annerkennung – insbesondere von der sonst in diesem Bereich so eloquenten Familie – wäre allerdings schon wünschenwert. Hier schweigt man sich allerdings aus und sucht andere Opfer im Kreis der Anwesenden. Erst eine Woche später und nachdem man direkt mit dem Kopf darauf gestoßen hat, kann man sich zu einem halb-lobenden Kommentar hinreissen lassen. Natürlich gefolgt von einem mahnenden Vortrag über mangelnde sportliche Aktivität. Man darf ja nicht vergessen, dass man hier noch nicht am Ende aller Möglichkeiten ist. Flieg nicht zu hoch mein kleiner Freund…

Im Allgemeinen ist mir aufgefallen, dass es wohl ziemlich leicht scheint andere zu kritisieren, etwas Nettes allerdings immer eher schwerer über die Lippen kommt. Wobei es sicherlich niemanden umbringen würde, einmal tatsächlich zu sagen, dass uns zum Beispiel das neue Oberteil der Kollegin gefällt und wir finden, dass es ihr gut steht. Sie freut sich, und mir tut es nicht weh das zu sagen, weil gedacht hatte ich es ja eh schon. Im Gegenteil, ich kann mich auch noch freuen, weil ich ihr eine Freude gemacht habe. Und exakt so verhält es sich auch an der Fett-Front. Ich kann prima für mich selbst abnehmen und auch gut gemeinten Bemerkungen der Lieben umgehen, nur wenn meine Ergebnisse tatsächlich von aussen auch wahrgenommen werden und nicht immer nur die Kneifprobe ein Teil der Begrüßung ist, hilft das meiner Motivation natürlich ungemein.

Wir merken uns also: Wenn man nichts Nettes sagen kann – einfach mal die Klappe halten.

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